Spinnen lernen 02 / Rohwolle waschen

Heute möchte ich zun Thema “Waschen von Rohwolle” berichten. Denn ich kann mittlerweile mit Stolz behaupten, das ich meine ersten 2kg Wolle direkt vom Schaf durchgewaschen habe. Nicht auf einen Schlag, aber Stück für Stück.  Seht selbst.

Ich hatte ja von einer Dame mit Schafen Rohwolle geordert. Die Schafe heißen Ida, Lotti und Blacky. Die Damen spendeten die weiße Wolle und sind Schwarzkopfschafe. Blacky, wie der Name schon vermuten läßt, die dunkel und ich vermute auch die mellierte, die ich hier auf den Bildern wasche. Denn die ist viel feiner und weicher als die weiße Wolle.
Welcher Rasse Blacky angehört weiß ich leider nicht.

Wolle waschen04

Es war das erste Mal, das ich Schafwolle in der Hand hatte, mal davon abgesehen das ich natürlich jedes Schäfchen gestreichelt habe das mir bisher über den Weg lief. Aber mit so frisch geschorener Schafwolle hatte ich bisher rein gar nichts zu tun.  Es hat ganz ordentlich nach Schäfchen geduftet, wie Streichelzoo. Ich mag das ja irgentwie. Auch wie die frische Wolle sich anfühlt ist total gut. Sehr fettig aber weich…ganz interessant. Und ich bin total begeistert!

Das mag sich jetzt vielleicht etwas merkwürdig anhören wenn ich davon schwärme, wie toll es ist bis zu den Ellenbogen in dreckiger Wolle zu stecken – aber das macht echt Spaß. Es ist wirklich ein haptisches Erlebniss, wie sich die Wolle im Laufe der Arbeitsgänge verändert. Erst riecht sie nach Schaf und ist sehr fettig, dass man ganz speckige Hände bekommt und am Ende ist sie einfach nur fluffie. Muß man selber mal machen glaube ich. Hier mal ein Bild wo man richtig die Lanolintröpfchen sehen kann.

Wolle waschen05

Auf jeden Fall sollte man keine Berührungsängste mit Dreck jeglicher Art haben, den davon gibt es einigen. Ich denke meine Wolle war auch extrem schmutzig, denn wenn ich, wie ich es im Internet oft las, die verklebten Spitzen und Stellen aussortiert hätte, wäre wohl nix mehr übriggeblieben. So bin ich direkt durch die harte Schule der Schmutzwolle gegangen. Aber es hat sich gelohnt. Das Ergebniss ist prima. Und ich weiß die super schöne und sehr saubere Merinowolle, die aktuell in Bearbeitung ist, sehr zu schätzen.

So, aber nun zum Waschen. Es gibt da ja nicht DIE Anleitung, sondern jeder hat da so seinen eigenen Weg. Und ich denke das dieser auch stark von der jeweiligen Wolle abhängt.

Die rote Waschwanne ist zum festen Bestandteil in meinem Bad geworden, ebenso wie der Stampfer, der glaube ich eigentlich ein Passierding ist und ein Nudelsieb.
Ebenso eine ganze Herde Waschmittelchen.

Wolle waschen02

Wollwaschmittel

Als erstes habe ich dei Wolle mal grob farblich vorsortiert. Und dann angefangen die Strähnen zu zupfen. D.h. ich hab kurze Stücke raussortiert und die sehr verkrusteten Spitzen etwas aufgetrennt. Soviel bis etwa ein Wäschekorb voll war. Dann habe ich das Ganze nur in lauwarmen Wasser eingeweicht, damit der Schlamm und so sich löst. Ergebniss: eine schöne braune Brühe, über die die Blumen sich freuten.

Wolle waschen01

Nach beträchtlichen rumprobieren und etwas Frust, weil die Wolle auch nach mehreren Waschgängen immer noch total klebrig war, hat sich folgende Methode für diese Wolle bewährt:

In Wasser einweichen, dann 2x in sehr heißem Wasser mit Soda. Wichtig dabei ist denke ich, dass das Wasser nicht abkühlt sondern die Wolle vom noch sehr warmen, wieder ins frische heiße Wasser gebettet wird. Zum Einen da man das Wollfett ja loswerden möchte, zum Anderen damit die Wolle keinen Temperaturschock erleidet. Denn das mag sie wohl nicht, ebenso wie wildes Rumrühren.  Zum Schluss dann noch mal in klares Wasser zum Ausspülen. Dann erst mal zum Trocknen auf den Wäscheständer. Die getrockneten Flocken, die aber immer noch recht klebrig waren habe ich nochmal gezupft, was auch ganz gut war, den da kam noch mal ganz schön was an Streu und Pflanzenresten raus.

Wolle trocknenDann habe ich das Waschen wie oben noch mal wiederholt, nur das ich direkt mit Soda gestartet bin, dann noch ein Gang in heißem Wasser mit Haarshampoo  (muß man nicht, habe ich aber wegen dem Duft gemacht) und schlussendlich in klarem Wasser mit Essig abkühlen lassen. Trocknen. Fertig! Das war zwar ziemlich arbeitaufwendig aber bei dieser Wolle wohl nötig. Es hat sich aber gelohnt. Bei meiner jetzige Merinowolle langt ein Waschgang.

Ergebnis: Ist total schön geworden! Die Wolle läßt sich auch prima kardieren und spinnen. Wie Butter!

Seht selbst. Hier eine Übersicht. Rohwolle, gezupfte Wolle, gewaschene Wolle, kardiert und versponnen und miteinander verzwirnt.

Wolle waschen03

So und nun noch mal ein Schwung Begeisterung zum selber waschen von Wolle. Ich kann durchaus verstehen, das das nich jedermanns Sache ist. Denn es ist in der Tat mit viel Schmut und Arbeit verbunden. Und wirtschaftlich ist es sicherlich auch nicht. Zwar kostet diese Wolle so gut wie nichts, aber ich denke mei Wasserverbrauch ist in den letzten Wochen extrem angestiegen. Und mann kann ja auch bereits kardierte Wolle auch recht günstig kaufen. da hat man dann gar keine arbeit und es giebt eine enorme Auswahl an Fasern die man sich so in der Rohform nie beschaffen könnte.

ABER: Mir macht es extrem viel Spaß, ich finde es sehr entspannend. Man freundet sich auch mit der Wolle irgendwie an. Vielleicht albern, aber man bekommt schon eine emotionale Bindung. Ich hatte mir auch einige Kammzüge gekauft um das mal auszuprobieren, aber die werden eher stiefmütterlich behandelt. Ich mag “meine” Wolle, freue mich darauf sie zu kardieren, zu färben, zu verspinnen, zu stricken oder was auch immer. Ich meine, das ist doch TOTAL GUT etwas zu stricken, mit Wolle die man komplett selbst hergestellt hat. Oder?  Ich kann nur jedem empfehlen, der sich für Wolle und deren Verarbeitung interessiert das mal auszuprobieren.

 

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