Reisebericht Teil 01 – Rondane / Norwegen

Flechten, Geröll, unglaubliche Weite und glasklares Wasser

…ok, und auch wechselhaftes Wetter! Das sind die nachdrücklichsten Eindrücke die ich aus unserem Streifzug durch den Rondane Nationalpark in Norwegen mit nach Hause gebracht habe.

Da bei all unseren Reiseplanungen Reiseberichte auf Blogs immer eine große Inspiration und Hilfe waren, wird dieser nun auch etwas ausführlicher ausfallen.

Lange haben wir hin und her überlegt wohin es uns in diesem Urlaub führen soll. Erst liebäugelten wir mit der Fortsetzung des Lykischen Weges in der Türkei – im August aber viel zu heiß! Dann mit Sarek in Schweden – leider ist die Anreise zu langwierig. Schließlich einigten wir uns auf das Rondane Gebirge in Norwegen, da für dieses Gebiet der August prima und die Anreise unkompliziert ist. Ausserdem hatten wir mal Lust auf Skandinavien. Ich war ja noch nie dort.

Tag 01 – Anreise / Frankfurt – Otta:

Ok, Dienstag morgen, 03. August, 4:00 Uhr, der Wecker klingelt. Die Rucksäcke stehen gepackt parat, die Frettchen sind ihrer Ferienresidenz…es geht los! Mit dem Bus fahren wir zum Frankfurter Flughafen. Manchmal ist es doch auch praktisch wenn man quasi auf dem Rollfeld wohnt…alles klappt wunderbar, wir fliegen los Richtung Norwegen.

Rondane 01_01

Der Flug ist kurz und kaum der Rede wert. In Oslo angekommen müssen wir noch 5 Stunden am Flughafen totschlagen, weil der Zug der uns noch nach Otta – ein kleines Städtchen am Fuße des Rondane und der Startpunkt unserer Reise- bringen soll, erst um 14:30 fährt.
Wer viel mit der Deutschen Bahn unterwegs ist, wird sich auch in den norwegischen Zügen heimisch fühlen. Denn neben den gleichen Sitzen, geht auch hier gelegentlich das ein oder andere am Zug kaputt. In diesem Fall die “Maschine(?)”. So tuckern wir gemächlich Richtung Otta, halten hin und wieder mal an und haben ausreichend Gelegenheit den zunehmend stärker werdenden Regen beim An-die-Scheibe-klatschen zu beobachen. Uns wird Angst und Bange! Auf Regen und kühlere Temperaturen hatten wir uns ja eingestellt – ABER DOCH NICHT SOFORT!

Nach 4 statt 3 Stunden Fahrt erreichen wir dann unser Ziel – Otta! Hier muss es kurz vorher ganz außerordentlich geregnet haben, jetzt ist aber alles fein. War doch ganz gut das wir ein bischen länger in der Bahn bleiben durften ;)
Mittlerweile ist es auch schon früher Abend, so machen wir uns fix auf die Suche nach Supermarkt und Gaskartuschen. Das Gas bekommen wir an der Tanke und treffen dort auch noch zwei wandernde Maurergesellen aus Chemnitz. Supermärkte gibt es erstaunlich viele für so einen kleinen Ort. Wir decken uns mit Frischzeug ein, alles weitere für 10-11 Tage Verpflegung befindet sich im Rucksack. Die Preise ziehen uns schier die Hose aus, aber wir wurden ja vorgewarnt.

Nachdem der Pflichtteil erfüllt war machten wir uns auf dem Weg zum Campingplatz. Es gibt zwei in Otta. Wir nahmen den falschen! Durch ein schäbiges Industriegebiet kommt man zu einem heruntergekommenen Gelände mit vor sich hin rottenden Holzhäuschen: der Campingplatz! Macht aber alles nix, wir wollen ja nur eine Nacht bleiben. Morgen früh gehts ja eh weiter. Bei einer Nudelsuppe und Brot beschließen wir diesen ersten Reisetag, legen uns für die erste Nacht ins Zeltelein und freuen uns auf morgen wenn es nun endlich richtig losgeht.

Tag 02 – Otta – Edabu Glitterdalen:

Am nächsten Morgen packen wir schon früh unsere Sachen, da wir nicht ganz genau wissen wann der Bus nach Mysusaeter – von wo unsere Wanderung starten wird- genau fährt. Wir übersahen bei der Ankunft gestern die doch recht deutliche Anzeigentafel. :)

Kurz nachdem alles eingepackt war begann es auch schon zu nieseln. Toll! Im Supermarkt nahe de Bahnhofs kauften wir uns noch was zu essen und machten es uns an der Bushaltestelle gemütlich. Aus dem Nieseln ist übrigen ein ganz ordentlicher Regen geworden.
Früstück! Zimtschnecke, Nektarine und Orangensaft! Was soll ich sagen… Zimtschnecke- joa, Nektarine- prima, Orangensaft- HORROR! Ich hab noch nie sowas ekliges getrungen. Was ist das denn? Es bedurfte einer viertelsten Flasche Saft, bis wir bemerkten, dass es sich hier um Orangensaftkonzentrat(!) handelt. Ups! :) Der Rest hat uns aber gute Dienste geleistet. Fast jeden Abend gab es auch eine Flasche Orangensaft zum Essen. Schon Luxus…

Der Bus kam dann um 09:45 Uhr und eine halbe Stunde später waren wir dann dort wo wir hin wollten – Mysusaeter. Und hier regnete es nicht nur, es war auch noch nebelig dazu.

Rondane 02_01

Das Erste was wir taten, war also die Regenponchos einzuweihen, die uns jetzt schon den 3. Urlaub begleiten aber noch nie gebraucht wurden. Und dann ging es auch schon los. Ziel des Tages sollte in etwa die Hütte Eldåbu sein.
Den richtigen Weg zu finden stellte sich aber erst mal problematisch dar. Klappte dann doch.

Raus aus dieser Ferienhüttensiedlung ging es erst mal ordentlich bergan in die Natur. Schön ists hier. Überall hellgrüne Flechten. Der Regen ist zu einem leichten nieseln geworden und läßt sich gut aushalten. Doch bezüglich des eingeschlagenen Wegen stellt sich leichte Verunsicherung ein. Wir sind falsch! Daran bin ich wohl nicht ganz unschuldig. Wir sind mittlerweile im Glitterdalen, wo es zwar sehr schön ist, aber entgegengesetzt der Richtung in die wir eigentlich wollten. Wir machen erst mal Mittagspause und beschließen einen anderen Weg nach Eldabu zu nehmen.

Rondane 02_02

Wir erreichten den See Furusjøen, sahen die ersten Moltebeeren und beschlossen doch wieder umzukehren und morgen die Tour lieber Richtung Rondvassbu fortzusetzen. Eldåbu will von uns wohl nicht erreicht werden.

Rondane 02_03

Diese Bild spiegelt diesen konfusen Tag wohl am besten wieder: Regencape und Karte vor der Nase.

Rondane 02_04

Im Glitterdalen zurück fanden wir einen superschönen Zeltplatz in der Nähe des Baches. Es war trotz allem ein sehr schöner Tag.

Tag 03/ Glitterdalen – Illmanndalen:

Am Morgen erwartet uns schönstes Wetter. Es wird gefrühstückt – Müsli mit Milchpulver- und dann packen wir auch schon und verlassen diesen schönen Platz.

Rondane 03_01

Unser erstes Ziel heute ist die Hütte Rondvassbu. Da es nun heute auch wieder mit der Navigation klappt, verlassen wir rasch das Glitterdalen und kommen auf eine sehr weite Ebene. Weit und breit nur Flechten…

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…und diese flauschigen Gewächse.

Rondane 03_03

So wandern wir vor uns hin und bald kommt auch schon die Hütte, die eher eine Hüttenanlage ist, in der Ferne in Sicht.

Rondane 03_05

Waren wir eben noch einsame Wanderer auf weiter Ebene, tauchen nach und nach immer mehr grellbunte Farbtupfer auf. Hier im Dunstkreis der Hütte wimmelt es won Wanderern, Touristen, Spaziergängern, Fahrradfahrern… Zwar wurden wir in unserem Rondane-Büchlein schon vorgewarnt, aber das hier so viel los ist hätten wir nun doch nicht gedacht. Die Hütte ist ein begehrtes Ausflugsziel, denn sie ist über eine Schotterstraße, die an einem Parkplatz beginnt, recht mühelos zu erreichen. Die Anlage ist sehr schön und gepflegt und attraktiv an einem See gelegen. Wir legen hier aber nur einen kurzen Stopp ein um uns Schokolade zu kaufen und Müll zu entsorgen. Dann gehts schon wieder weiter.

Wir wenden uns in Richtung der nächsten Hütte: Bjørnhollia. Diese ist von hier zum Einen über den Rondslottet – den höchsten Gipfel des Rondane mit fast 2200 m- oder durch das Illmanndalen zu erreichen. Für die Gipfeltour ist es leider schon zu spät, da würden wir heute nicht mehr hoch und wieder runter kommen mit den großen Rucksäcken. Bis morgen warten wollen wir nicht. So entscheiden wir uns für den Weg durchs Illmanndalen. Aber erst gabs noch eine Mittagspause.

Rondane 03_06

Das Wetter ist sehr wechselhaft, wie man auf den Bildern sieht. Man kann fast alle 20 min seine Kleidung wechseln. Ist die Sonne da, ist es direkt heiß. Ist sie von Wolken verdeckt, merkt man das die Luft doch recht kühl ist. Und kommt auch noch Wind hinzu, dann ist es doch recht frisch. Gerade wenn man sich nicht bewegt.

Das Illmanndalen ist ein eher gerölllastiges Tal, in dem sich wie Perlen auf einer Schnur kleine Seen aneinander reihen. Sehr schön! Und so haben wir auch keine Probleme einen wunderschönen Zeltplatz zu finden mit eigenem See direkt vor der Tür.

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Dies war ein extrem schöner Wandertag und wir sinken müde auf die Isomatten und werden von den Glöckchen-klingelnden Schäfchen oben am Hang und dem leisen plätschern des Sees in den Schlaf begleitet.

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…und bald geht es weiter mit dem nächsten Teil dieser schönen und aufregenden Tour.

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